Medienwerkstatt-Wien
 

Porträt Skizzen
Weinland Himmelsfrieden
Gustav Deutsch, Ernst Kopper

Kurator Manfred Neuwirth


 
LAND-LEBEN

Alltags-Beobachtungen aus der Provinz: Rund eineinhalb Jahre, vom Herbst 1980 bis Frühjahr 1982, haben Gustav Deutsch und Ernst Kopper mit Kamera und Tonband die Landschaft um das niederösterreichische Hollabrunn vermessen. In kurzer Zeit haben sie eine Art Bestandsaufnahme einer Region realisiert: Eine unspektakuläre Chronik ländlichen Lebens, in rauhen Schwarzweiß-Bildern, mit dem staunenden Blick der Großstadtmenschenerstellt und im Tonfall sympathisierender Ironie (und koketter Selbstironie) gehalten. Unter dem Eindruck erster Versuche mit "bürgernahem" Fernsehen sind die beiden Videopioniere mit Vorgaben aufs Land gezogen, die an den Rahmen einer wissenschaftlichen Feldforschung erinnern: Die beiden Arbeiten stehen für diese gänzlich unakademischen, spielerischen Forschungsarbeit, die breit gestreut das Leben abseits der Metropole dokumentiert.

 
Ausschnitt aus

 
PORTRÄT SKIZZEN

Gustav Deutsch, Ernst Kopper
A 1982 | 38  min, s/w
 
In Porträt Skizzen wird die Beschreibung des alltäglichen Geschehens mittels kurzer Porträts von Persönlichkeiten versucht, die in gewisser Weise charakteristisch für die Region sind: Ein Kasperltheater-Direktor, der seine schwere Kunst der Kinder-Unterhaltung mit der Präzision eines Uhrmachers ausübt; ein malender Weinbauer, dessen Leidenschaft für Archäologie mit zahlreichen Entdeckungen belohnt wurde; der Leiter eines Heimatmuseums, der sich nichts weniger als die Illustration der Menschheitswerdung vorgenommen hat; eine Jugendgruppe, die als "spontanes Theater" den Freuden des ironischen Blödelns und Weintrinkens frönt und ein akademischer Maler aus Wien, der sich von den sozialen zwängen der Stadt zurückgezogen hat. Begegnungen, die vor allem von der listigen Vitalität der Porträtierten geprägt sind..

 
Ausschnitt aus

 
WEINLAND HIMMELSFRIEDEN

Gustav Deutsch, Ernst Kopper
A 1981 | 43  min, s/w
 
Die zweite Arbeit Weinland - Himmelsfrieden trägt den Untertitel: "Gespräche über das Grenzland“. Damit sind die beiden Pole des Videos abgedeckt: In Gesprächen mit Politikern steht das Thema "Landflucht" im Zentrum, von dem der Bezirk Hollabrunn in großem Maße betroffen ist. Halbherzige "Grenzland-Förderungen" kommen ebenso zur Sprache (die das Verschwinden ganzer Dörfer und das Abwandern der Jugend nicht verhindern können), wie die Veränderungen des Arbeitsangebots, bei dem die Landwirtschaft nur mehr wenige Prozentpunkte ausmacht. Arbeit findet man anderswo, das Pendeln ist zur Regel geworden. Die geschickte Auswahl der Gesprächspartner zeigt zudem den Querschnitt einer politischen Karriere: Vom Bürgermeister der kleinen Landgemeinde, über den Partei-Bezirks-vorsteher und Landtagsabgeordneten bis hin zum Nationalrat reicht das Spektrum der Befragten. Und man kann sehen, wie sich mit jedem Schritt auf der Karriereleiter auch die Sprache verändert: Vom reduzierten, aber lebendigen Wortschatz der effektiv Betroffenen bis zum Polit-Kauderwelsch der Null-Begriffe und Leerformeln der Ämter-Verwalter.