Medienwerkstatt-Wien
 

TRANSFORMATION
Gerda Lampalzer
SERPENTINATA
Bernhard Leitner
TON-SCHIRME
Bernhard Leitner
LICHTINSTALLATIONEN 1987-2010
Erwin Redl
A MEMORY OF THE PLAYERS IN A MIRROR AT MIDNIGHT
Constanze Ruhm
TISCHARBEIT 2008
Romana Scheffknecht
AT TIMES ...
Jutta Strohmaier
 
Kuratorin Gerda Lampalzer


Medienkunstpreise

Seit 1994 gibt es in Niederösterreich die Kulturpreise für Medienkunst. Diese teilen sich in drei Sparten, die abwechselnd vergeben werden: Künstlerische Fotografie, Künstlerischer Film und die Sparte Video- und Medienkunst. [mehr ...]

 
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TRANSFORMATION

eine Audiovision
Gerda Lampalzer
A 2009, 23 min

TRANSFORMATION verwendet Texte aus fünf Ausgangssprachen als Lautmaterial für eine Verwandlung zu Deutsch in Wort, Schrift und Bild. In vier Kapiteln - Remontage / Konversation / Substanz / Demonstration - wird der Text von Sprache zu Sprache, von Sprache zu Schrift, von Schrift zu Bild und von Bild zu innerer Sprache transformiert und zu einer audiovisuellen Komposition verdichtet. Mit Jitka Plesz, Agata Danis, Anita Lung, Andreas Krištof, Giovanni Leghissa.

„Mehr klassisch“:
TRANSFORMATION von Gerda Lampalzer
Kürzlich behauptete ein heimischer Politiker rechter Gesinnung, diffamierende Tendenzen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgemacht zu haben: Ein „Sieg heil“ sei in dokumentarische Bilder und Töne hinein manipuliert worden. Gut möglich, dass der gute Mann endgültig nervös wird, wenn er in Gerda Lampalzers Audiovision TRANSFORMATION Sätze hört wie „Rostbraten mit Most, das ist kosmopolitisch“, Sätze, die so ganz gewiss niemand gesagt haben kann, oder richtiger: Natürlich könnte man sie gesagt haben, aber die tschechischen, slowakischen, ungarischen, slowenischen, italienischen Gegenüber, sie haben solche Sätze – „Du siehst mehr klassisch aus“ – ganz gewiss so nie gesagt. Lampalzer: „Die Ausgangstexte werden jeweils zu deutsch umgeschnitten. Diese deutschen Texte haben eine vom Ausgangstext völlig unabhängige, neue Bedeutung. Von mir unabhängig ist diese Bedeutung allerdings nicht. Ähnlich der Technik des ,Hineinsehens’ von Bildern in unregelmäßige Strukturen (Wolken, Mauern, Steine, etc.), die man bereits aus der Renaissancemalerei kennt, bringt mich die lautliche Struktur zu bestimmten Assoziationen und damit zu neuen Texten.“
„Hineinsehen“, heraushören: Das klingt, erst recht vor der strophischen Gliederung des Films in vier Teile – Remontage / Konversation / Substanz / Demonstration – sachlich, ja unterkühlt: Tatsächlich ist TRANSFORMATION ein bei mehrfachem Hineinsehen zunehmend leichter und heiterer Film. Wenn man am Anfang etwa in Ausführungen von Giovanni Leghissa erste Begriffe wie „metanarrazione“ versteht, schließlich ein „manipuliertes“ „Alles ist in einem Kontext zu sehen“ zu hören bekommt, um irgendwann bei lakonischen Bebilderungen von Begriffen wie „Ei“, „Most“, „Marzipan“ zu landen, dann fühlt man sich fast an sinnliche Konkrete Poesie eines Ernst Jandl erinnert. Oder an die Diebe, die in einer Kurzgeschichte von Woody Allen, die in einer amerikanischen Bibliothek französische Texte entwendeten, diese in eine andere Fremdsprache übersetzten, worauf die besagten Texte höchst aufwändig wieder in die Originalsprache zurückübersetzt werden mussten. Das ist auf den ersten Blick komisch: Über unser Misstrauen dem gesprochenen Wort (und dem gesehenen Bild) gegenüber in Zeiten wie diesen erzählt es aber eine ganze Menge.
Claus Philipp

 
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SERPENTINATA

Bernhard Leitner
D 2006, 5 min
Video: Markus Wintersberger

Die Ton-Raum-Komposition baut sich aus linearen, punktuellen oder geschichteten Ton-Bewegungen zwischen 48 Lautsprechern auf. Die visuelle Skulptur setzt sich in akustischen Räumen fort, die in ihrer Hör-Form die sichtbare Form der Skulptur betonen. Oder die Skulptur wird kontrapunktisch mit einer akustisch anderer Raum-Gestalt überlagert. Mit linear ablaufendem, sandigen Ton-Material wird die Serpentinata zur fließenden Gestalt, bei rascher Ton-Bewegung zum verwehten Raum. Sprachlaute aus Mund-, Lippen- und Zungenlauten bewegen sich wellenartig im Raum. Für punktuelle Ansteuerungen der 48 Lautsprecher ist die in sich verschlungene Skulptur das Trägergerüst von einer Vielzahl frei im Raum verteilter Ton-Quellen. Punktuelle Ton-Raum-Kompositionen stecken weite und enge Körper-, Seh- und Hör-Räume ab. Geschichtete Räume, die innerhalb der 48 Ton-Quellen aufgebaut werden, verwandeln die gesamte Skulptur in einen akustisch-schwingenden Organismus.

 

TON-SCHIRME

Bernhard Leitner
A 2002, 3 min
Videomontage: Markus Wintersberger, Videomaterial: Angela Kombotis

Im Ton-Schirm sind 8 Hochtöner eingenäht, um Töne in die Mitte des Schirmes zu projizieren. Durch verschiedene Winkelkombinationen solcher Klangprojektionen, kombiniert mit Frequenz- und Pegelvariation, entsteht ein Ton-Raum aus kurzen, an ganz verschiedenen Orten im Kuppelraum des Schirmes auftauchenden Tönen. Die Töne sind lang verhallt, wodurch sich der Maßstab des Schirmes zu einer weiten Kuppel entgrenzt.

 
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LICHTINSTALLATIONEN 1987 – 2010

Erwin Redl
Arbeitsauswahl

 
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A MEMORY OF THE PLAYERS IN A MIRROR AT MIDNIGHT

Constanze Ruhm
A 2001/02, 26 min

A Memory of the Players in a Mirror at Midnight is a project drawing on a number of sources, from modernist literature to mainstream film. It employs different media ranging from computer animation to script and performance, and explores contemporary forms of visual and narrative architectures related to mass media. Situated at the center of the work is the 1978 film Eyes of Laura Mars (D: Irving Kershner). By making use of architectural rendering software, spatial sequences of this 1970s thriller have been digitally recreated. Through a process of spatial “editing,” these are arranged into a new architectural sequence accompanied by a female voice-over. The title quotes a poem by James Joyce, which refers to the cinematographic apparatus as a fantasmatic projection screen for modernist fantasies. The poem itself suggests the notions of “actor” and “character” as absent figures and remainders. Here, cinema is represented as a system of mirrors reflecting each other. “Film was frequently on Joyce’s mind, and especially so in 1917, when ‘A Memory... ‘ was composed.” The poem tells of characters and images which have long since become figures and signs in collective subconsciousness: “screen memories,” leading towards Freud’s concept of “Deckerinnerung” (“screen memory”). A screen memory is understood to be a fiction produced by the unconscious in order to cover up real memories of traumatic origin. Freud mentions the concept of “screen memory” for the first time in an analysis of an own dream. Interestingly, his description emphasizes the fact that the relevant scene always appeared to him in “glaring Technicolor.”

 
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TISCHARBEIT 2008

Romana Scheffknecht
D 2008, 1:15 min

gedicht für eine tischarbeit am 13 Sept. 2008 in der galerie cora hölzl /düsseldorf

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke "Neue Gedichte" (1907)

 
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AT TIMES …

Jutta Strohmaier
USA 2010, 3 min

At times I think and at times I am. P. Valéry
Ein zwei geteilter Bildschirm zeigt eine Ansicht von einem betonierten Platz. Die Kamera ist unter einem Vordach positioniert und filmt die vorbeifliegenden Vögel und deren Schattenbilder. Das Szenario wurde aus 7 verschiedenen Einstellungen zu einer raum-zeitlichen Komposition montiert. Die synchronen oder gegenläufigen Bewegungsmuster zeichnen in Verbindung mit einer reduzierten Tonspur ein Bild von Dauer. Mit der Teilung des Bildschirms möchte ich auf die Ambiguität der menschlichen Wahrnehmung hinweisen, ebenso kann man auch ein Analogie zu den beiden Gehirnhälften sehen... Der Philosoph Henri Bergson beschreibt die Vorgänge die hinter unserer Wahrnehmung liegen als unbestimmt und unbestimmbar. Unsere Gemütsbewegungen sind mit unzähligen Gefühlen, Stimmungen, Vorstellungen, Erinnerungen gefärbt und es ist uns nicht möglich diese Vorgänge zu isolieren, sie auseinanderzuhalten oder gar zu versuchen Sie zu zählen.
Jutta Strohmaier, 2011